Darum ist Apples M1 Ultra im Mac Studio gar nicht so teuer

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Apple hat beim letzten Event mal wieder ordentlich was aus dem Hut gezaubert. Neben dem Studio Monitor wurde auch der M1 Ultra SoC vorgestellt, der in einem neuen kleinen Gehäuse wohnt, das 2,5x so dick wie ein Mac Mini ist und auf den Namen Mac Studio hört. 

Apple hat auf dem Event mit einigen Grafiken um sich geschmissen, die schon sehr eindrucksvoll zeigten, wie gut der neue M1 Ultra gegen einen “normalen” PC abschneidet. Doch bei Apples Diagrammen muss man auch immer ins Kleingedruckte schauen und auch mal kritisch hinterfragen, ob das Diagramm vielleicht günstig für den M1 Ultra abgeschnitten wurde. Genau damit möchte ich mich hier in diesem Posting mal etwas eingehender beschäftigen.

Bei allem, was ich hier mache, behaltet bitte eines im Hinterkopf: Ich spreche hier niemals von Gaming Performance, da muss man sich keine Illusionen machen – hier kann ein Mac nicht mithalten. Ich versuche zu allem, was ich vergleiche, immer auch Quellen mit anzugeben, damit ihr nachvollziehen könnt, woher meine Daten kommen. Außerdem ist mir klar, dass wir hier lediglich Werte vergleichen, die in Benchmarks ermittelt werden, unter vermutlich idealen Bedingungen. Das spiegelt in der Regel nicht den Alltag wider.

Also starten wir mal – ich hoffe, ihr habt genauso viel Bock auf den Vergleich wie ich.

Der M1 Ultra ist schneller als ein Intel i9 12900K

Laut Apple ist der M1 Ultra im Mac Studio satte 90 % schneller als ein Intel Core i9 12900K bei einem Verbrauch von nur 60 Watt. Bis zur Spitzenleistung des i9 12900K kann der Intel Chip hier zwar noch etwas aufholen, kommt aber dennoch nicht an den M1 Ultra heran und verbraucht in der Spitze laut Chart um die 160 Watt. Das ist schon ein beachtlicher Unterschied, denn satte 100 Watt mehr sorgen nicht für die gleiche Leistung. In einem Test vom Stern* wurde die Intel CPU sogar mit ordentlichen 235 Watt gemessen. Das ist nicht wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Mac Studio komplett maximal 370 Watt** für alles verbraucht, was neben dem SoC noch so mitläuft.

Bildquelle: Apple.com

Der M1 Ultra ist schneller als eine RTX 3090 Grafikkarte

Auch in Sachen Grafik-Performance hat Apple richtig auf den Tisch gehauen. Hier wirbt Apple damit – und so sieht es im gezeigten Diagramm auch aus -, dass der M1 Ultra bei 200 Watt weniger Leistungsaufnahme schneller ist als eine Nvidia RTX 3090. Das klingt zu schön, um wahr zu sein, und ist es auch. In der Tat ist der Apple M1 Ultra bei 200 Watt weniger Leistungsaufnahme deutlich stärker als eine RTX 3090

Bildquelle: Apple.com

Allerdings zeigt das Diagramm nicht, dass bei der RTX 3090 hier noch nicht Schluss mit Leistung ist. Eigentlich würde das Diagramm nach rechts weiter wandern und zeigen, dass die Nvidia Grafikkarte den M1 Ultra durchaus schlägt. Allerdings natürlich mit einem erheblichen Mehrverbrauch an Strom. Eine RTX 3090 kommt bei maximaler Leistung auf ca. 350 Watt. Damit kann alleine die Grafikkarte fast so viel verbrauchen wie der ganze Mac Studio.

Dennoch eine beachtliche Leistung

Was Apple in seinen Keynotes seit den eigenen Prozessoren immer wieder predigt, ist die Leistung pro Watt, die erzielt wird. Und die ist beim M1 Ultra wirklich mehr als beeindruckend. In sehr vielen Fällen überholt der M1 sogar den i9 12900K mit 16 Kernen und auch bis zu einer bestimmten Leistungsaufnahme eine RTX 3090. Dennoch bedeutet das nicht, dass der M1 Ultra PC Hardware in allen Bereichen in die Tasche steckt. Das Apple Herz ist aber in jedem Fall um ein Vielfaches effizienter und vor allem auch viel kompakter. 

Ein PC mit Intel Core i9 und einer RTX 3090 wäre alleine wegen der Grafikkarte und der dafür notwendigen Kühlung schon bedeutend größer. 

Dafür ist ein Mac Studio auch kein Schnäppchen. Die kleinste Version des Ultra mit 20 Kernen, 48 GPU Kernen und 32 Neural Engine Kernen sowie 64 GB Shared Memory und 1 TB SSD kostet stolze 4.599 €. Wem dieser Preis nun den Blutdruck in die Höhe schnellen lässt, dem sei gesagt, dass wir hier nicht über ein System für den Privatanwender zu Hause sprechen. Der Mac Studio richtet sich an Profis (ja, auch wenn er nicht Pro heißt) bzw. wenigstens mal an gewerbliche Nutzer, die damit nicht nur ein wenig Bildbearbeitung für den Hausgebrauch machen. In diesen Bereichen ist der Preis gar nicht mehr so ungewöhnlich, wie er vielleicht auf eine Privatperson wirken mag. 

Daher auch an dieser Stelle ganz klar der Hinweis:

Lasst euch nicht von YouTubern erzählen, dass ihr so eine Kiste brauchen könnt. Wenn ihr nicht professionell Musik macht, Videos im großen Stil schneidet, 3D Renderings macht oder ähnliches, dann seid ihr nicht die Zielgruppe für einen Mac Studio. 

Ein PC ist viel günstiger

Nun sehe ich vor meinem geistigen Auge schon die Apple Hater mit den Mistgabeln wedeln und schreien: “Ein PC ist viel günstiger”.

Und ich möchte hier nicht wie ein Apple Fanboy wirken, aber diese Aussage wollte ich dann doch mal überprüfen. Daher habe ich mich aufgemacht und mal einen PC zusammengestellt. Die Kenner unter euch wissen, dass selbst gebaut nicht selten günstiger ist. Ich habe mich hier an dem orientiert, was Apple auf seinen Diagrammen zum Vergleich heranzieht, und aktuelle Preise von Mindfactory als Basis genutzt. 

In meinem Einkaufskorb landete so Folgendes:

Anschaffungspreise PC
RTX 3090 durchschnittlich 1.880,00 €
i9 12900K 577,00 €
Mainboard mittlere Preisklasse 350,00 €
Netzteil beQuiet 800 Watt Platinum 200,00 €
Gehäuse 08-15 80,00 €
Speicher 64 GB DDR 5 GSKILL 800,00 €
SSD 1 TB Samsung M2 144,00 €
4.031,00 €

 

Überraschung, der PC ist “gerade mal” 568 € günstiger als der Mac Studio. Und ich habe mich beim PC jetzt noch nicht um einen ordentlichen CPU Kühler sowie die Gehäuse Kühlung gekümmert. Dann würde der Preisunterschied vermutlich eher Richtung 300 € zusammenschmelzen. 

Dafür muss ich dann den PC aber auch noch selbst bauen oder jemanden dafür bezahlen, das zu tun. Außerdem muss ich in Kauf nehmen, einen verhältnismäßig großen Tower unter oder auf dem Tisch zu haben. Und dafür muss ich einen erhöhten Stromverbrauch akzeptieren. Und auch das habe ich mal versucht auszurechnen. Meine Ausgangsannahme sind 22 Cent pro kWh beim heimischen Stromanbieter. 

Beim PC ist der Verbrauch schwer zu kalkulieren, da ich dafür alle Bauteile mit berechnen müsste. Ich habe es mir daher einfach gemacht und die größten Stromfresser kalkuliert, die auch von Apple verglichen werden. So habe ich die RTX 3090 und den Intel Core i9 12900K beim Verbrauch berechnet und den Rest mal außen vor gelassen. 

Zur Kalkulation:

Ich gehe hier von einem Worst Case Szenario aus. Bedeutet: Sowohl der PC als auch der Mac Studio laufen 8 Stunden am Tag (ein ganzer Arbeitstag) mit dauerhaft Volllast. Das wird so sicher nicht vorkommen, doch das Verhältnis zwischen beiden verschiebt sich im Zweifel nur nach unten, bleibt aber ziemlich ähnlich. Auf Basis der 8 Stunden Volllast pro Tag habe ich dann den Strompreis auf Basis der 22 Cent pro kWh genommen, um die jährlichen Kosten zu ermitteln. Ich habe jetzt nicht die Wochenenden rausgerechnet, das würde auch wieder nichts am Verhältnis zwischen den beiden Rechnern ändern.

Nach spätestens vier Jahren preislich gleich

Der PC verbraucht so im Jahr ca. 1708 kWh und verursacht somit 375,76 € Stromkosten. Der Mac Studio kommt im Jahr auf ca. 1080 kWh und verursacht so Stromkosten von 237,60 € im Jahr. Mit dem Mac Studio lassen sich also bei dauerhafter maximaler Auslastung 138,16 € im Jahr beim Strom sparen

Verrechnen wir diese 138,16 € Ersparnis mit dem höheren Anschaffungspreis des Mac Studio, so hätte sich durch die Stromersparnis nach vier Jahren der Preis zum PC angeglichen. Vermutlich etwas eher, da ich – wie bereits erwähnt – noch keine Kühlung im PC kalkuliert habe und nicht alle Bauteile mitgerechnet sind. 

Ich würde also bei einem kompletten PC und allen Stromkosten eher von ca. 2 bis 3 Jahren ausgehen. 

Kalkuliert man nun aber noch den Wiederverkaufswert eines Mac Studio mit ein, dann wäre der Apples Mac vermutlich sogar im Vorteil, trotz des höheren Anschaffungspreises.

Natürlich will ich nicht unterschlagen, dass der PC bedingt durch die RTX 3090 noch ein paar Leistungsreserven hat, die der M1 Ultra nicht hat. Das könnte sich durch die sehr gute Software Optimierung von Apple aber wenigstens zum Teil relativieren, je nachdem, für welche Aufgabe die Hardware gedacht ist. 

Insgesamt finde ich allerdings spannend, wie das Verhältnis zwischen PC und Apple so ist und dass der preisliche Unterschied gar nicht so groß ist, wie man vielleicht auf den ersten Blick denkt. Ich denke, man kann hier gut sagen, dass Apple in Sachen Preis-Leistung durchaus konkurrenzfähig ist und einen extrem effizienten Rechner entwickelt hat, dessen Leistung pro Watt sehr imposant ist. Außerdem zeigt es nochmal eindrucksvoll, wie gut die System on a Chip (SoC) Architektur im Vergleich zu x64 einfach ist. 

Zur Transparenz hier noch der Hinweis, dass ich die Strompreise mit dem Preiskalkulator von https://www.energie.web.de/ratgeber/verbrauch/stromverbrauch-pc-computer/ kalkuliert habe. 

Was haltet ihr denn eigentlich vom M1 Ultra oder allgemein den M1 SoC´s? Glaubt ihr, dass ARM langfristig die x64 Architektur verdrängen wird? Lasst uns in den Kommentaren darüber diskutieren, ich freu mich drauf. Bitte seid dabei fair zueinander, es geht hier nicht um Apple vs Windows. 

Quellen:

*https://www.stern.de/digital/technik/intel-core-i9-12900k-test–die-leistung-des-alder-lake-flaggschiff–31404642.html 

**https://www.apple.com/de/mac-studio/specs/ 

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