Statussymbol in der Hosentasche: Generation Smartphone

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Erinnert ihr euch noch, als das Auto hierzulande das Statussymbol Nr. 1 war? Das waren noch Zeiten – oder auch nicht. Heute ist das in jedem Fall anders. Inzwischen hat sich das Smartphone bei vielen zum neuen Statussymbol entwickelt. Stand das Auto noch für die eigene Freiheit und war ein Inbegriff von Reichtum, ist das Smartphone inzwischen für viele noch wichtiger. Es verbindet Menschen weit über Grenzen hinweg und macht die Welt mit seinen unzähligen Apps ein Stück kleiner. Es beinhaltet für viel das ganze Leben und passt mit diesem in die eigene Hosentasche. Doch genau so wie das Smartphone verbinden kann, trennt es Menschen voneinander. Menschen unterschiedlicher Einkommensklassen zum Beispiel. Nicht selten sieht man auf den Schulhöfen heutzutage Kids, die sich gegenseitig für ein Smartphone dissen. Und wer verübelt es ihnen, gibt es doch genug Erwachsene, die den Kids genau dieses Verhalten vorleben. 

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Disclaimer: 

Mir ist natürlich bewusst, dass das nicht auf alle Menschen zutrifft, was ich hier schreibe, und dass es sicher auch genug Leute gibt, denen das Smartphone vollkommen egal ist. Bewegt man sich aber mal durch die Straßen und beobachtet Menschen im Café, an der Bushaltestelle oder auf den Straßen, so ist das Smartphone doch ein sehr wichtiger Teil im Leben der Menschen geworden. 

Das teuerste Smartphone ist das beste

Nein! Einfach nein! Das stimmt so nicht und würde ich auch so nie stehen lassen. Die Hersteller überschwemmen uns in den letzten Jahren mit einer Flut an Smartphones, die sich teilweise nur minimal voneinander unterscheiden. Ein wenig andere Farben hier, ein leicht anderes Design da. Eine etwas andere Oberfläche beim Betriebssystem und hier und da etwas andere Hardware. Und ich kann grundsätzlich verstehen, dass Unternehmen jedem Kunden das möglichst passende Gerät bieten wollen. Doch gerade Hersteller wie Xiaomi treiben das wirklich auf die Spitze, sind damit aber nicht alleine. Und schon lange ist das teuerste Smartphone nicht mehr das beste!

Klar, sind die Premium Smartphones immer mit massig Leistung ausgestattet, mit den besten Kameras und den besten Displays etc. Hier hat Apple es sicherlich als erstes verstanden, das Smartphone in Schickimicki Olymp zu erheben. Niemand sonst versteht es, sein Smartphone der neuesten Generation so dezent anzupassen, dass es aber auch wirklich jeder als DAS neue iPhone erkennt. Denn das ist wichtig. Immerhin legt man ordentlich Geld auf den Tisch. Alle um einen herum sollen sehen, was man in der Hand hat. 

Aber ich wage die These, dass die meisten normalen Nutzer auf dieser Welt den Unterschied beim Display, bei der Speichergeschwindigkeit oder sogar bei der Kamera gar nicht merken. Die meisten Fotos werden heutzutage nur noch auf dem Smartphone angesehen und dafür reicht fast jede Smartphone Kamera. Dazu kommen unzählige Filter, die auf die Bilder geklatscht werden. Das kaschiert auch eine Menge. Für die gängigen Aufgaben wie Bilder machen, ein wenig Mails, ein wenig Social Media und etwas im Web Surfen reicht jedes Mittelklasse Smartphone dicke aus. Auch die Materialien sind in der Mittelklasse inzwischen oftmals so hochwertig, dass man sich für ein Mittelklasse Smartphone sicher nicht schämen muss. Ein annähernd 1.000 € teures Smartphone oder gar noch teurere wie das iPhone 13 Pro oder das Galaxy S22 Ultra sind für die meisten Nutzer vollkommener Overkill. 

Die einzigen Argumente für diese Geräte sind die hohe Leistung, die auch in mehr als 2 Jahren für die meisten noch locker reichen dürfte, und die meist bessere Update Politik, die Hersteller von bei Premium Smartphones bieten. 

Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen

Der Grund, warum das Smartphone so sehr im Fokus steht, liegt auf der Hand. Wir haben es tagein, tagaus in den Händen. Viel unserer täglichen Kommunikation mit der Außenwelt, mit Freunden und Familie läuft via Smartphone ab. Genau das sehen auch die Kids. Verschiedene Studien zeigen, dass Kinder sehr stark darauf reagieren, dass sie ihre Eltern ständig am Smartphone hängen sehen. Selbst für die Kleinsten wird so von Anfang an klar: Das Smartphone muss sehr wichtig sein. Genau damit wachsen die aktuellen Generationen auf und wollen natürlich auch ein solch “wichtiges” Gerät haben. Und wenn in der Grundschule die Freunde schon mit einem iPhone 13 Mini oder ähnlichem rumlaufen, dann will das nächste Kind das auch. 

Wir Erwachsenen sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Ich möchte hier nun sicher keine Erziehungstipps geben, dafür ist das hier der falsche Kanal. Aber wir alle haben es in der Hand, und das im wahrsten Sinne des Wortes. 

Ein Smartphone ist ein Gebrauchsgegenstand. Genau wie ein Auto eigentlich auch. Und klar, es kann auch Luxus sein. Aber am Ende ist es ein Platine mit nem Akku, die man zwischen zwei Glasscheiben gepresst hat. Auch wenn man – und da zähle ich mich selbst zu – schnell das Gefühl bekommt, man würde etwas verpassen, wenn man mal nicht aufs Display schaut. Die Welt da draußen dreht sich immer weiter. Nur selten verpasst man wirklich etwas Wichtiges. Im Durchschnitt entsperren wir 80 Mal am Tag unser Smartphone. Dabei ist es vollkommen egal, ob es das teuerste Smartphone oder das billigste ist. Es ist gut, dass es das Smartphone gibt. Und es darf auch Spaß machen, es zu nutzen. Ich will es auch in keinster Weise verteufeln. Aber am Ende können eigentlich alle Smartphones so ziemlich das Gleiche. Mal etwas schneller, mal etwas langsamer. Aber so oder so ist es wie auch ein Auto ein Gerät, das ab dem Kauf einfach nur an Wert verliert. Das meine ich sowohl aufs Geld als auch auf den Wert, den man dem Gerät selbst beimisst, bezogen. 

Was ich mir von den Herstellern wünschen würde

Ich kann es kaum glauben, dass ich das jetzt selbst hier schreibe. Immerhin bin ich doch ein Technik Nerd und Geek. Aber ich würde mir ein Umdenken bei den Herstellern wünschen. Und das gleich aus vielerlei Gründen. 

Ich wünsche mir, dass Hersteller deutlich weniger Smartphones auf den Markt werfen. Ich denke ein Einsteigermodell, ein Mittelklasse Modell und ein Premium Modell würden pro Hersteller vollkommen ausreichen. Das würde es den Kunden auch viel einfacher machen. Denn die meisten verstehen die Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten gar nicht mehr, wie mir immer wieder bewusst wird, wenn ich nach einer Empfehlung gefragt werden. Und selbst als Technik Nerd fällt es einem teilweise schwer, allen Modellen wirklich irgendwie zu folgen – Grüße gehen raus an Xiaomi.

Darüber hinaus würde ich mir von den Herstellern wünschen, ihren Jahreszyklus, an den man die Kunden gewöhnt hat, auf einen Zweijahres-Rhythmus umzustellen. Die meisten Menschen brauchen nicht jedes Jahr ein neues Smartphone. Von der deutlich geringeren Menge an neuen Modellen und dem längeren Zyklus würden alle profitieren. 

Die Kunden, weil die Hersteller die Geräte wenigstens auch im niedrigen Preissegment mit aktueller Software ausstatten könnten, da sie nicht mehr für gefühlte 100 Smartphones entwickeln müssen. 

Die Hersteller, weil es deutlich günstiger ist, alle zwei Jahre 3 Modelle zu entwickeln als deutlich mehr. Und auch das Marketing wird günstiger für weniger Modelle. Der Kunde würde sogar doppelt profitieren, denn auch die Entwicklungssprünge würden sich nach 2 Jahren deutlicher bemerkbar machen als jedes Jahr. Schaut man sich die neuen Modelle jedes Jahr an, fehlt es doch sehr an Innovationen. Einfach auch weil die Zeit zwischen den Modellen viel zu gering ist. Es ist eigentlich kaum möglich, einen echten “WOW-Effekt” zu erzeugen, wenn die Smartphones so schnell hintereinander kommen. 

Ich würde mir von einem längeren Entwicklungszyklus auch eine deutlich höhere Diversität bei den Smartphone Designs versprechen, da jeder Hersteller viel mehr Zeit für ein neues Design hat. Auch wenn die Möglichkeiten allgemein natürlich begrenzt sind, solange Smartphones die aktuelle Bauweise beibehalten.

Auch unsere Umwelt würde davon profitieren. Denn unzählige Smartphones, die von vielen als Wegwerfartikel behandelt werden, könnten deutlich länger genutzt werden.

Zu guter Letzt würden aber vielleicht auch die nachfolgenden Generationen profitieren, da es einfach nicht mehr so viele belanglose Smartphones geben würde und jedes auf seine Art etwas Besonderes haben könnte. Besonders genug, um sich daran zu erfreuen, ohne gleich tief in die Tasche greifen zu müssen. 

All das sind natürlich nur viele Thesen und Gedanken von mir. Wenn ihr das vollkommen oder auch in Teilen anders seht, kann ich das auch nachvollziehen. Aber mich würde schon interessieren, wie ihr das eigentlich bewertet. Was ist ein Smartphone für euch? Luxus, Gebrauchsgegenstand oder gar etwas ganz anderes? Was wäre euer Wunsch an die Hersteller? Lasst uns in den Kommentaren darüber quatschen!

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